Spiritualität im Alltag – Einblicke eines Pastors



Geistliches Leben im Alltag – wie kann man das pflegen und planen? Wie kann man trotz der vielfältigen Anforderungen und Erwartungen, die Andere an uns haben, Zeit für die Beziehung mit der wichtigsten Person in dieser Welt finden – dem dreieinen Gott?

Geistliches Leben oder Spiritualität, das ist ein weites Thema und ein vielfältiger Begriff. Es geht letztlich um die Frage: Wie kann ich mich und mein Leben dem Wirken des Heiligen Geistes aussetzen? Wie kann ich erleben, dass er an mir, in mir und durch mich wirkt? Anders formuliert: Wie kann ich mich immer wieder auf Christus ausrichten und meine Beziehung mit ihm leben? Das ist nicht nur eine zentrale Frage im Leben eines Pastors, sondern für jeden Christen bedeutsam. Geistliches Leben ist nichts, was man mit ein bis zwei Stunden am Sonntag abhandelt, sondern was unser ganzes Leben durchziehen und bestimmen will: 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Damit das gelingt, braucht es zum einen dieses grundsätzliche Bewusstsein, zum anderen aber auch besondere Momente, Zeiten und Gelegenheiten, in denen wir uns gezielt darauf einlassen. Es braucht in doppelter Weise Augenblicke mit Gott: Wir leben rund um die Uhr im Bewusstsein seiner Gegenwart und wir haben besondere Zeiten, wo wir ganz gezielt mit Ihm zusammen sind, also nur Augen für Ihn haben. Als Pastor habe ich das große Vorrecht, dass diese besonderen Zeiten sogar Teil meiner „normalen“ Arbeitszeit sein dürfen und müssen, aber lebensnotwendig sind sie für jeden Christen, denn Christ ist man immer vollzeitlich. Mit den nachfolgenden fünf Punkten meines persönlichen geistlichen Lebens möchte ich anregen, sie selbst einmal auszuprobieren und ihren Reichtum zu entdecken:

Offene Haltung
Das Vorrangige ist für mich, dass ich geistliches Leben nicht für etwas Besonderes halte, sondern für das Normale. Ich bin den ganzen Tag offen dafür, dass Gott mir Impulse und Gedanken geben kann. Ich bin jederzeit bereit, Ihm etwas mitzuteilen und das, was mich beschäftigt mit Ihm zu besprechen. Dazu gehört, dass ich Ihn auch zu Wort kommen lasse und nicht nur bei mir und meinen Überlegungen bleibe. Es geht letztlich um die Haltung: „Nach dem Amen bete weiter“ – bleib im Gespräch mit Gott, in Hörbereitschaft und Augenkontakt! Mir fällt das relativ leicht, u.a. da ja Gott schon beruflich ständig irgendwie auf der Agenda des Tages steht. Wer sich mit dieser offenen Haltung schwer tut, kann sich das zum Beispiel durch einen christlichen Kalender auf dem Schreibtisch vor Augen halten oder mit bewussten Pausenzeiten, die er für das geplante Gespräch mit Gott einräumt. Vielleicht könnte eine Minute, die man  bewusst dafür dreimal am Tag einplant, ein Anfang sein.

Biblisches Studium
Es ist für mich eine große Quelle der Kraft und Inspiration, wenn ich mich intensiv mit Gottes Wort beschäftige. Darin zu lesen, darüber nachzudenken, tiefer zu graben und zu erleben, wie Gott mich Neues entdecken lässt oder mir Altbekanntes wieder bewusst macht. Das ist für mich eine der schönsten und belebensten Erfahrungen meines geistlichen Lebens. Gott spricht zu mir – preist den Herrn! Zu diesem Bereich zähle ich auch das Lesen guter geistlicher Bücher. Das ist zwar gegenüber der Bibel „Sekundärliteratur“, aber die Entdeckungen die andere Menschen mit Gott und seinem Wort machen, sind eine unglaubliche Bereicherung für mein eigenes geistliches Wachstum.

Geistliche Lieder
Ein zentraler Bestandteil meines geistlichen Lebens sind christliche Lieder. Mein musikalisches Spektrum reicht da von alten Chorälen über Erweckungsliedgut des 19. Jahrhunderts und den Liedermachersongs meiner Jugendzeit hin zu den heute angesagten Lobpreisliedern. Sie alle tragen für mich etwas dazu bei, Gott im Blick und Bewusstsein zu haben. Am häufigsten höre ich die zuletzt genannten Lieder und singe kräftig dabei mit. Meist geschieht das – außer im Gottesdienst - wenn ich mit meinem Mondeo unterwegs bin – sozusagen „Spiritualität im Auto“. Längere Autofahrten werden für mich dann sehr schnell zu einer wunderbaren und erfüllenden Zeit mit Gott. Aktuell lebe ich im Auto mit der CD „Augenlieder“ von Johannes Hartl und Freunde. Die überwiegend ruhigen und einfühlsamen Lieder, beschreiben auf eine sehr zarte Weise und gleichzeitig auch mit innerer und inhaltlicher Dramatik unsere Liebesbeziehung zu Christus. Sie berühren zur Zeit besonders mein Herz und erwecken in mir dieses besondere Gefühle der Nähe Gottes und meiner intimen und vertrauten Beziehung mit ihm. Echt hörens- und erlebenswert

Besondere Zeiten 
Zum Alltag gehört für mich auch die Unterbrechung desselben. Deshalb zähle ich besondere Zeiten in denen ich mir bewusst und gezielt einen zeitlichen Freiraum für die Begegnung mit Gott einräume zu meiner „Spiritualität im Alltag“. Das sind zunächst Zeiten der Stille – Zeiten, in denen ich mir alleine und ohne Ablenkung Zeit mit Gott nehme, egal wer anruft usw. Dann sind es aber auch besondere Konferenzen o. Ä. Unsere FeGPastorentagung auf Langeoog ist für mich so eine Zeit. Die guten Referate, persönliche Gespräche mit Kollegen und dem allen voran: gemeinsame Spaziergänge mit Jesus am Strand mit dem Blick in die Weite. Manchmal bete ich dabei still für mich, denke nach, höre zu oder singe Lobpreislieder. In diesem Jahr war es mir erstmalig möglich, an der jährlichen „Jesus-Konferenz“ zu Pfingsten auf dem Dünenhof in Cuxhaven teilzunehmen. Das war klasse und während ich diese Andacht schreibe, bewegen mich immer noch Impulse aus diesen Tagen. Und wem das alles zu weit weg ist (entfernungsmäßig und gedanklich): unsere alljährliche FeG-Mainz-Gemeindefreizeit in Wilgersdorf ist ein toller Ort und Möglichkeit dazu!

Gläubige Freunde
Gute Gespräche mit Freunden, die an Jesus Christus glauben, sind für mich auch ein Teil meines geistlichen Lebens. Wenn ich sehe, was sie mit Christus erleben, was sie zur Zeit gedanklich beschäftigt und wir uns darüber gemeinsam austauschen, so ist das ganz oft etwas, wodurch Gott mich inspiriert und beschenkt.

Das sind so ein paar Einblicke in meine Augenblicke mit Gott. Damit sie zu eigenen geistlichen Erfahrungen inspirieren, hilft es nicht viel, diesen Leitartikel noch mal zu lesen, sondern sich ganz praktisch davon anleiten zu lassen und es selbst auszuprobieren!